Route 2 - Eisenbahnroute Ost




Der Weg führt teilweise an der Bergisch-Märkischen-Bahn, der Ostbahn (heute S6) entlang, eine der ersten Entwicklungsachsen der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert.


Ausgehend vom ehemaligen Calor-Emag-Gelände an der Ecke Wilhelmring/ Bahnstraße mit den Stelen 7 und 8 führt der Weg die Bahnstraße entlang über die Brückenquerung der S-Bahn zu den Edeka Verkaufshallen, wo sich auf dem Parkplatz links die Stele 9 und rechts am Eingang zur Oststraße die Stele 10 befindet. Dann fährt man die Josef-Schappe Straße hinter dem Ostbahnhof entlang zur Stele 11 und weiter auf der Balcke-Dürr Allee zur Stele 12 am Ende der Oststraße.  Weiter geht es durch den Kreisverkehr  am Ende der Balke-Dürr Allee auf der Formerstraße zur Stele 15 und bis in den Kreisverkehr zur Stele 16. Nach einem Abstecher zur Stele 17  am Eingang zur Feuerwehr folgt man wieder der Formerstraße, sieht linker Hand den schwarzen See liegen und kommt auf die Neanderstraße. Nach ein paar Metern biegt man links in eine Wohnenklave, an deren Ende Stele 18 mit Blick auf einen kleinen See liegt. Nach diesem Abstecher erreicht man auf der Neanderstraße die Stele 19 als Abschluss dieser Fahrt.

STELE 08

Station 1            Bahnstr. 45             51.2973, 6.8591

Calor Emag / ABB


Gegründet als Calor GmbH in Essen durch den Ingenieur Otto Dreyer, zog die Firma zunächst nach Duisburg und 1936 nach Ratingen auf das Gelände der ehemaligen DAAG. Nach Übernahme der Emag Elektrizitäts-AG, Frankfurt, nannte sie sich Calor Emag. Der Erfolg der Firma lag in der Entwicklung und Produktion von Schutzschaltern für Industriemotoren und Starkstromanlagen. Alfred Haniel, Leiter der Firma ab 1925, hatte frühzeitig das Potential der Elektrotechnik in der Schwerindustrie erkannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte Calor Emag weltweites Ansehen.

Seit 1988 gehört das Unternehmen zum ABB-Konzern, der als weltweites Kompetenzzentrum für Vakuumtechnologie und gasisolierte Mittelspannungs-Schaltanlagen in mehr als 70 Ländern tätig ist.

1999 bezog das Unternehmen in Ratingen einen neuen Standort an der Oberhausener Straße.



STELE 07

Station 2             Bahnstr. 49             51.2973, 6.8596

DAAG, Deutsche Lastautomobilfabrik


Drei Ingenieure, ein Rechtsanwalt und ein Bauunternehmer gründeten 1910 die Deutsche Last-Automobil-Aktiengesellschaft auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik Rheinland. Spektakuläre Testfahrten machten die Firma über Deutschland hinaus bekannt. Da die Lastwagen den Anforderungen des Militärs entsprachen, subventionierte der deutsche Staat den Betrieb. Während des Ersten Weltkriegs stieg die Nachfrage und auch in den 1920er Jahren setzte sich der Erfolg fort. Die DAAG belieferte Brauereien, Feuerwehren, kommunale Fuhrparks, den Zirkus Sarrasani und vor allem das Reichspostministerium. Mit 1.200 Belegschaftsmitgliedern war die DAAG damals der wichtigste Arbeitgeber der Stadt. Um einen Konkurrenten auszuschalten, übernahm die Firma Krupp 1929 die Aktienmehrheit und liquidierte ein Jahr später das Unternehmen. Wilhelm Dorst, von 1921 bis 1929 Monteur, Fahrlehrer, „Einfahrer“ für neue Fahrzeuge sowie als Direktionschauffeur bei der DAAG, gründete 1935 ein eigenes Fuhrunternehmen an der Bahnstraße in der Nähe der ehemaligen DAAG. Heutiger Sitz der Spedition ist Tiefenbroich. 



STELE 09

Station 3        Eisenhüttenstr. 10       51.2964, 6.8673

Düsseldorfer Eisenhütten-Gesellschaft 


Um 1902 verlegte die 1864/65 gegründete Düsseldorfer Eisenhütte AG ihre Produktion nach Ratingen. Neben der Nieten- und Schraubenfabrikation unterhielt das Unternehmen bis 1926 ein Drahtwalzwerk. Die kurz zuvor aufgenommene Produktion von Schienenbefestigungsmaterial konnte in den 1930er Jahren erfolgreich ausgebaut werden. Besondere Bedeutung erlangte das Unternehmen mit seiner pulvermetallurgischen Fertigungsanlage sowie mit der Kaltverformung von Schrauben aus Stahldraht. Die Eisenhütte belieferte vor allem Betriebe des Maschinen- und Fahrzeugbaus. 1972, ein Jahr nach der Fusion der Thyssen-Schraubenwerke mit der Otto-Wolff-Gruppe, zu der auch die Eisenhütte gehörte, wurde das Unternehmen geschlossen. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände entstand ein Einkaufszentrum. Von 1985 bis zu seiner Verlegung 2017 betrieb die Familie Kels hier einen EDEKA-Markt. 



STELE 10

Station 4       Homberger Str. 6         51.2951, 6.8673

Ratinger Maschinenfabrik und Eisengießerei AG


Das 1893 unter dem Namen Hentschel & Co. gegründete und später in Ratinger Maschinenfabrik und Eisengießerei AG umbenannte Unternehmen bestand bis 1978. Es war auf den Maschinen- und Anlagenbau für Nahrungsmittelwerke, Mühlenbetriebe sowie für die Kunstseide- und Zellwollfaser-Fabrikation spezialisiert. Das Unternehmen exportierte europaweit vollständig eingerichtete Fabrikanlagen, unter anderem Ende der 1950er Jahre eine komplette Zellwollfaser-Spinnstraße nach Portugal. Darüber hinaus war es führend in der Herstellung von Vergütungsanlagen und stellte Anlagen für den Industrieofenbau sowie für Hüttenwalzwerke her. Während ein Teil der ehemaligen Fabrikanlagen abgerissen wurde, übernahm die Familie Kels die denkmalgeschützte Halle. Nach deren Sanierung und Ergänzung durch einen großen Neubau eröffnete sie hier 2017 ihren zuvor an der Eisenhüttenstraße gelegenen EDEKA-Markt.



STELE 11

Station 5     Josef-Schappe Str. 23     51.2943, 6.8636

Balcke-Dürr 


1883 gründete Gustav Dürr mit seinem Bruder die Düsseldorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik Dürr & Co. in Ratingen. Das Ingenieurbüro Balcke & Co. wurde 1894 in Bochum gegründet. Beide Firmen fusionierten 1972 zur Balcke-Dürr AG (BDAG). Die Firma Dürr war zunächst auf die Herstellung von Röhren-Dampfkessel spezialisiert, wobei die Erfindung des Einkammer-Wasserrohrkessels einen schnellen Aufstieg brachte. Ab 1950 bauten die Dürr-Werke Kessel für Dampftemperaturen von 610º C mit einem Dampfdruck von 340 atü. Die Firma Balcke war bekannt für den Naturzugkühlturm, der erwärmtes Wasser aus Dampfprozessen abkühlte. Das Unternehmen Balcke-Dürr ist heute in den Bereichen Kühltürme, Kesselbau sowie Apparate für Kraftwerke und Chemieanlagen etabliert. Der Hauptsitz war bis auf wenige Jahre bis 2015 in Ratingen. Danach wurde die Produktion an andere Standorte und die Verwaltung nach Düsseldorf verlegt. 

STELE 12

Station 6             Oststr. 38               51.2905, 6.8679 

In der Höll / Ratinger Formsandgruben


Die Bedeutung des Formsandabbaus im Raum Ratingen ist eng verbunden mit dem industriellen Aufschwung seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

August Zimmermann gründete 1854 hinter dem heutigen Restaurant Kronenthal sowie auf der anderen Straßenseite die erste Formsandgrube in Ratingen.

Wilhelm Peters zog 1913 in das Schwarzbachtal und förderte den Sand südlich der Straße Frommeskothen.

Die Formsandgrube Kleine-Brockhoff erstreckte sich vom Wasserhochbehälter über das ganze heutige Friedhofsgelände.

Bis in die 1970er Jahre wurde Sand gefördert.

„In der Höll“ ist eine auflässige Tongrube. Im hinteren Teil - Richtung Osten - des nun mit Grundwasser vollgelaufenen Bruches wurde Massenkalk abgebaut, der von fossilreichen Flinzschiefern mit eingeschalteten Kalkbänken überlagert wird. 


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STELE 15

Station 7              Formerstr. 47                 51.2886, 6.8648

Triangel-Center und Theissen-Gruppe


Rolf Theißen gründete 1973 mit der Firma Ing. grad. Theißen, später Theißen Industrietechnik GmbH & Co. KG sein erstes Dienstleitungsunternehmen. Die Firma vermittelte qualifiziertes Fachpersonal für Produktions- und Fertigungsbetriebe und erweiterte später ihr Spektrum um den Auf- und Abbau von industriellen Anlagen. 

Mit der 1982 gegründeten InduSer Industrieservice GmbH und Co. KG bot Theißen vor allem Dienstleistungen für die Stahl- und Walzwerksindustrie an. Die Firma bestand bis 1998. 2003 übernahm Theißen die Mannesmannröhren Service GmbH in Mülheim und entwickelte sie unter dem Namen Mannesmannröhren Logistik GmbH (MRL) zum ersten industriellen Warenhaus. Das Angebot umfasste über 25.000 Verbrauchsartikel für Industriebetriebe aller Branchen. Das Mülheimer Lager wurde nach Ratingen auf das Gelände der ehemaligen Balcke-Dürr-Werke verlegt, später nach Ratingen Homberg. Hauptkunden waren die Hüttenwerke Krupp Mannesmann und die Vallourec-Mannesmann Deutschland. 2013 wurde das Unternehmen nach München verkauft.

Neugegründete Theißen Gesellschaften für Metallbau und Ladeinfrastruktur sowie für erneuerbare Energien sind seit 2022 in Krefeld angesiedelt.

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STELE 16

Station 8              Voisweg 12             51.2880, 6.8628

Rheinische Eisen-Giesserei W. Pulch


Wilhelm Pulch gründete 1932 die Rheinische Eisengießerei in den Fabrikanlagen des ehemaligen Eisenwerks Ratingen GmbH. Zunächst mit 8 Mitarbeitern produzierte er Massenartikel aus Grauguss, wie Bremsklötze für Züge und Straßenbahnen, Roststäbe für Herde und Feuerungen, Rasensprenger und Bohnerbesen. Sein Unternehmen verlief erfolgreich und Pulch sowie seit 1949 auch sein Sohn Walter konnten den Betrieb immer weiter ausbauen.

Die Zahl der Mitarbeiter wurde erhöht und die Produktpalette erweitert. Da Wohnraum in den Nachkriegsjahren knapp war, begann Pulch 1950 mit dem Werkswohnungsbau.

Bis 1982 war der Bestand auf 150 Wohnungen angewachsen.

Mitte der 1960er Jahre nahm der Betrieb die Edelstahl- produktion auf. Gleichzeitig wurde die Herstellung von Gusseisen weiter ausgebaut, unter anderem durch den Kauf weiterer Firmen.

Der Betrieb, zeitweise mit bis zu 300 Beschäftigten, erlebte eine Blütezeit. 1984 wurde die Gießerei Pulch umgewandelt in die Phönix Eisengießerei GmbH, musste aber kurze Zeit später schließen. Bis zum Frühjahr 2025 befand sich auf dem Gelände das Outlet-Center von Esprit.

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STELE 17

Station 9              Voisweg 1             51.2898, 6.8624

Maschinenfabrik Besta und neue Feuerwehr


Die Maschinenfabrik wurde 1910 von den Brüdern Paul und Karl Besta sowie drei weiteren Gesellschaftern als „Spezialfabrik für Ziegeleimaschinen GmbH“ gegründet. Neben vielen Spezialgeräten befasste sich die Firma mit der Konstruktion von Kastenbeschickern, die nicht nur in der Ziegeleiindustrie, sondern auch in der Erz- und Kohleindustrie eingesetzt wurde. Später kamen Trogkettenförderer hinzu.   

Nach dem Tod des Vaters übernahm Sohn Karl Besta 1958 die Geschäftsführung. Als er am Pfingstmontag 1990 plötzlich verstirbt,  meldet die Firma Konkurs an.

Am 12. April 2005 erfolgt der Ratsbeschluss für den Neubau einer Haupt- und Rettungswache an Stelle der alten Fabrik.  Nur das Verwaltungsgebäude blieb bestehen, wurde entkernt, und in das heutige Verwaltungsgebäude integriert.

Am 18.September 2009 wurde die neue Wache feierlich eingeweiht. 

gesponsert durch NRW Heimat-Scheck und Jutta Besta

STELE 18

Station 10              Neanderstr. 11             51.2854, 6.8574

Kalkabbaugrube schwarzes Loch


Über Jahrhunderte gab es im Ratinger Süden zwei Kalkabbaugruben: eine beim „Griesen Loch“ und eine beim „Schwarzen Loch“. Sie lieferten den begehrten graugeflammten Marmor, den man als polierten Verblendstein in vielen herrschaftlichen Häusern in der Region

findet: zum Beispiel das Treppenhaus von Schloss Hugenpoet im Ruhrtal. In der Ratinger Pfarrkirche Sankt Peter und Paul sind der Taufstein und die vier Weihwasserbecken ebenfalls aus Ratinger Marmor.

Das „Schwarze Loch“ beim ehemaligen Voishof im Schwarzbachtal wurde bereits um 1500 erwähnt. In diesem Bruch wurde fast über vier Jahrhunderte ein blau-schwarzer Kalkstein gewonnen. Aus dem Jahr 1764 ist überliefert, dass der Kalk an die Gilde geliefert wurde. 1831 gehörte die Kalkgrube der Witwe von Karl Degreck.

Einige Jahre später, 1839, betrieb der Gutsbesitzer Stephan Linden zu Ratingen hier sieben Kalköfen. Sein Sohn Gustav Linden gründete die Firma Kalk-, Kalkstein- und Marmorindustrie. Er errichtete eine Pferdeschleppbahn vom Voishof zur Sandstraße. 1880 kam der Kalkabbau durch einen Wassereinbruch zum Erliegen.

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STELE 19

Station 11              Neanderstr. 35           51.2842, 6.8573

Adolphs GmbH


Der Schlossermeister Peter Adolphs gründete in den 1890er Jahren in Düsseldorf eine Geldschrankfabrik. Er baute einen neuartigen feuersicheren Schrank aus präpariertem

Holz, umkleidet mit einem Stahlblechmantel. Der Schrank war um ein vielfaches leichter als die bis dahin üblichen dick-wandigen Asche- und Füllungsschränke.

Der Betrieb war bald zu klein. Als neuen Standort konnte die Firma 1907 das Gelände der ehemaligen Papierfabrik Schleipen & Erkenz an der Neanderstraße in Ratingen übernehmen. Nach kurzer Zeit entwickelte sich die Firma Adolphs zu einer der führenden Geldschrankfabriken mit Weltruf. Die Schränke in vielen verschiedenen Ausführungen wurden im damaligen Deutschen Reich, aber auch in ganz Europa und sogar in Nord- und Südamerika sowie in Japan verkauft.

Zwischen den beiden Weltkriegen verlor das Unternehmen zunächst an Bedeutung, konnte aber nach 1948 mit der Fabrikation von Leichtblechen für Büro- und Werkzeug-schränke wieder am Erfolg anknüpfen. Mit steigendem Umsatz wurde das Gelände an der Neanderstraße zu klein. 1958 bezog die Firma neue Werkshallen an der Kaiserswerther

Straße. Bevor die Firma 2010 nach Düsseldorf umzog, war sie noch kurz in Tiefenbroich an der Harkortstraße ansässig.